Hermann R.O. Knothe
Eine Liebe zum Vogtland,
besonders zu Bad Elster
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Einordnung des Künstlers

Hermann R. O. Knothe (1891-1961) lebte und arbeitete in Bad Elster als freischaffender akademischer Kunstmaler bis 1961 und bildete u.a. Motive der dortigen Kuranlagen sowie der vogtländischen Umgebung auf größeren Ölgemälden ab. Dazu saß er immer "am Objekt in freier Natur" und wurde von vielen Bad - Elster- Besuchern dafür bewundert und regional außerordentlich bekannt.

2016/17 wurde mit einer Dauerausstellung im Rathaus Bad Elster und im Hotel "König Albert" des 125. Geburtstages Knothes gedacht.

Knothe (1891-1961) im Spiegel der neueren Zeit

Der Kunstmaler hielt in seinen Bildern viele Ansichten von Bad Elster und Umgebung fest. Inmitten der Kuranlagen saß er regelmäßig mit seiner Staffelei, umringt meist von interessierten Kurgästen und brachte die Idylle des Kurbades auf Leinwand. Lieblingsmotive des Kunstmalers waren unter anderen der Gondelteich und markante Plätze im Park entlang der Kurpromenade mit ihren kunstvoll angelegten Blumenarrangements. Nicht zu vergessen sind auch seine vogtländischen Landschaftsbilder, die die einheimische Fauna und Flora eindrucksvoll abbilden.

Der Kurort war ab 1923 seine künstlerische Wirkungsstätte. Knothes Atelierwohnung befand sich ab 1939 in der heutigen Johann-Christoph-Hilf-Straße 1, am Haus wurde eine Gedenktafel angebracht, gestiftet vom Enkel Olaf Meinel im Jahre 2003. Im Auftrag der Badedirektion organisierte und betreute Herman R.O. Knothe auch Kunstausstellungen im Kurhaus, Badehaus und in der Wandelhalle.

2011 fand in ebendieser Wandelhalle die 1.Kunstausstellung - großflächig angelegt- zum Schaffen des Elsteraner Künstlers statt, gleichzeitig bildeten weitere Ausstellungsflächen die Rathausflure von Bad Elster. Die Stadt ehrte mit dieser mehrmonatigen Dauerausstellung auch einen Werbeträger, da Knothe zu Lebzeiten sehr viel Öffentlichkeit hergestellt hat, quasi sein Atelier u.a. in die Kuranlagen auslagerte.

2005 wurde an der TU Dresden/Institut für Kunstpädagogik eine Staatsexamensarbeit zum Thema: "Hermann Richard Otto Knothe - Maler in Bad Elster" angefertigt. Eine weitere durchaus aktuelle und bedeutende Wertschätzung.

Als freischaffender Kunstmaler wirkte er überdurchschnittlich produktiv, vernachlässigte aber eine bestimmte Art von Werbung, um auch überregionale Bedeutung zu erlangen. Seine sehr ausgeprägte Ortsverbundenheit zum Kurort Bad Elster wurde also "Fluch und Segen" zugleich. Den Rücken frei hielt ihm dabei immer die zweite Ehefrau Auguste Christine, die man heute als Topmanager (wie so viele andere Ehefrauen) bezeichnen könnte und die sich auch in den 34 Jahren nach dem Ableben des H.R.O.Knothe stets öffentlichwirksam und durchsetzungsstark zeigte. In ihrer Wohnung, Richard-Wagner-Str. 10, ganz oben, hatte sie immer den direkten Draht zur gegenüberliegenden Kirche und damit zu ihrem sie zu zeitig verlassenden Ehemann. Ehrenamtlich half sie engagiert im Kirchenleben an allen möglichen Stellen mit, bekannt vielen u.a. durch den Christenlehreunterricht oder Büchertisch am Sonntag.

Verfügung zum Umgang mit den Kunstwerken

Seine ihn überlebende zweite Ehefrau Auguste legte 1991 fest: Die Gemälde erhält vermächtnisweise die Stadt Bad Elster mit der Auflage, "dass sie diesen Nachlass zu pflegen und zu bewahren hat und ihn der hiesigen Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Ich (die Erblasserin) denke dabei insbesondere an Ausstellungen oder ständige Vergabe an die hiesigen Kureinrichtungen." Mit einer ersten Kunstausstellung 2011 wurde nach langer Zeit diese Gemäldesammlung unter großem Engagement einer breiten Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht und, beflügelt durch die positive Resonanz, wiederholte man dies 2016/17 in Dauerausstellungen im Rathaus und im Hotel "König Albert". So wird erkennbar, dass auch weitere Initiativen zur öffentlichen Darstellung der Kunstwerke im Zusammenwirken mit der städtischen Politik gelingen werden. 2015 erhielt die Partnerstadt Bad Waldsee als Dauerleihgabe das Bild "Marienquelle" von Knothe.

Aktualisierung der Quellenlage: O. Meinel, 2017


Knothe (1891-1961) in den Wirren der Politik

(nach Sebastian Vorein: "Hermann Richard Otto Knothe - Maler in Bad Elster", Staatsexamensarbeit 2005, S.8-10, Auszüge)

Nach Kriegsende wurde die ständige Knotheausstellung im Kurhaus geräumt, da dieses von Besatzungstruppen beschlagnahmt wurde. Somit verlagerte sich das künstlerische Leben mehr in die Atelierwohnung Christoph-Hilf-Str. 1, ganz oben. Kunstabende mit ca.30-40 Personen wurden veranstaltet. Der Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, soll als Kurgast den Maler an seiner Staffelei mit seinem Farbwagen in den Kuranlagen täglich beobachtet und ihn auch in seinem Atelier besucht haben. Da Knothe auch zur Nazizeit Aufträge erhalten hatte (vgl. "Anzeiger für Bad Elster und Umgebung" vom 09.09.1933), bekam er Probleme, die 1949 in einer Wohnungsräumung durch die Polizei eskalierten. Grundlage war ein Beschluss von der SED -Ortsgruppe Bad Elster zur Einschränkung des Wohnraumes von faschistisch belasteten Elementen nach dem Gesetz 18 und dessen Anwendung auf Knothe.

Gleichzeitig wurde Knothe auch das Gewerbe untersagt und er erhielt erst nach 18 Monaten seine Atelierwohnung zurück, mit Unterstützung des Kultusministeriums. Familie Knothe hatte sich persönlich an Grotewohl gewandt, der sie zur Landesregierung Dresden weiter verwies. Vom Kreis war keine Unterstützung möglich. In der Zwischenzeit war eine achtköpfige Familie in die Wohnung gezogen. Das gesamte Inventar Knothes wurde in Abwesenheit des Ehepaares in "zwei Räumen, Bad und Boden" verstaut.

1950 belegen zwei Briefe an die Ortsgruppe der SED Beobachtungen und Einschränkungen des Malers.

Brief 1 vom 28.08.1950: Ein Kurgast schildert, wie der Maler die "Erlaubnis, in den Kuranlage malen zu dürfen, dazu benutzt, vorüber gehende Kurpatienten, die ihm beim Malen zusehen, gegen die Maßnahmen unseres neuen Staates (DDR) und die Politik der Partei (SED) aufzubringen, indem er die Lüge verbreitet, dass er nun schon 5 Jahre grundlos schikaniert und verhindert würde, seine Bilder zu verkaufen." Der Verfasser des Briefes war der Meinung, man sollte Knothe das Malen in den Kuranlagen verbieten.

Brief 2 vom 28.08. 1950: Anlässlich einer Blumenausstellung in der Wandelhalle Bad Elster wurde Knothe das Angebot gemacht, ein Bild gegen "Westgeld" zu verkaufen. Im weiteren Wortlaut des Briefes wird der fingierte Kaufvertrag beschrieben und bei der Ortsleitung der SED zur Anzeige gebracht.

Diese Repressionen ließen den Gedanken einer Republikflucht aufkommen. Das unerwartete Angebot, Knothe solle Friedenstauben an öffentliche Gebäude der Stadt malen, gab dem Ganzen jedoch eine Wendung. Knothe übernahm den Auftrag, lehnte jegliches Honorar ab und es kam in der Folge zu einer gewissen Rehabilitation.

1952 wurde nach Vorlage von ausgewählten Arbeiten durch eine Kommission einstimmig die Wiederzulassung zum "Verband bildender Künstler" beschlossen. So konnte H.R.O.Knothe in seinen letzten Lebensjahren sich noch einmal voll der Kunst widmen, diesmal in Übereinstimmung mit der Kurdirektion.


Alte Postkarte

Knothe mit Enkel